PEER GYNT / DÜSSELDORFER SCHAUSPIELHAUS (BÜRGERBÜHNE), Dezember 2018


Preis des Körber Studio Junge Regie 2019 / Vorauswahl zum Theatertreffen der Jugend 2019 der Berliner Festspiele




(Alle Fotos: Melanie Zanin)
https://www.dhaus.de/programm/premieren-urauffuehrungen-2018-19/peer-gynt/

Peer, sei du selbst! Diesem Ruf widersetzt sich der junge Peer Gynt trotzig, erdenkt aus Hütten Paläste und macht sich in seiner Fantasie zum größten Herrscher – um nach einer Reise um die halbe Welt dann doch wieder dort anzukommen, wo seine Ichsuche begann. Er ist ein Träumender mit dem Talent zur radikalen Bearbeitung der Realität und wird zur Projektionsfläche für den Wunsch nach dem ganz großen Wurf. Auf Grundlage des Peer-Gynt-Stoffes erzählen zehn Düsseldorfer Jugendliche die Geschichte von denen, die von zu Hause aufbrechen, um Großes zu vollbringen. Sie stapeln hoch, fallen tief, machen kurzen Prozess und sich selbst zu den besten aller Hauptfiguren. Durch reine Vorstellungskraft werden Meere befahren, Berggipfel erklommen und die Spieler*innen zu Trollprinzessinnen, Hochseilartist* innen und Tom Cruise höchstpersönlich. Denn wer sich selbst genug ist, darf auch auf der Bühne singen, wenn er eigentlich im Stimmbruch ist – Performance ist heutzutage schließlich alles. Man muss bloß seine besten Klamotten tragen und darf nicht auffliegen. Sonst steht man am Ende mit leeren Händen und gebrochenem Herzen da und wünscht, besser daheimgeblieben zu sein.

Mit Düsseldorfer Jugendlichen: Iman Abbasi, Marion Avgeris, Adriano Bennett, Henk Buchholz, Sean Schroeder-Finckh, Vega Fenske, Anne Gatzka, Luisa Mages Salgado, Ji-Hun Park, Ahmed Shmouki, Regie: Felix Krakau, Bühne: Ansgar Prüwer, Kostüm: Jenny Theisen, Musik: Thomas Klein, Dramaturgie: Dorle Trachternach



PRESSESTIMMEN: 



»Was die zehn Energiebündel in 75 Minuten über die Bühne jagen, ist weniger Inszenierung als Squatting. Eine rotzige Aneignung des Klassikers, die ihre Schwächen und Rückschläge souverän miterzählt. (...) Henk Buchholz beispielsweise zerlegt in einem furiosen Wutanfall die gesamte Authentizitäts-Ideologie von Bürgerbühnen-Produktionen. Ob die teils sehr persönlichen Geschichten Fakt oder Fake sind, bleibt bewusst offen. Ein berührender Abend.«
THEATER HEUTE


»Die am ehesten die Zukunft des Theaters repräsentierende Produktion des diesjährigens Festivals: politisch, intim, frisch.«
THEATER HEUTE (Feature zum Körber-Studio)


»Ein saftiges, kraftvolles Stück Theater. Den Text schrieb Felix Krakau, der auch Regie führte und das multikulturelle Ensemble auf eine kurzweilige Reise schickt. Motive aus der nordischen Tragödie werden mit den Befindlichkeiten der Akteure verwoben. Es macht Freude, die Schauspieler auf ihrem Selbstfindungs-Trip zu begleiten. Die Energie des Stücks steckte bei der Premiere alle an. Große Begeisterung.«
RHEINISCHE POST


»Ein mitreißender Abend, der geschickt den Bogen spannt zwischen den Zeiten.«
NDR


»Den zehn jungen Leuten gelingt es, die unterschiedlichen Spielebenen mitreißend und überzeugend miteinander zu verweben. Dabei dürfen die persönlichen Biografien durchaus durch Neuerzählung und Umdeutung hinterfragt und alternativ erfunden werden. Fiktion und Wahrheit, Traum und Wirklichkeit, Sehnsucht und Ängste sind kaum zu entflechten. Neunzig mitreißende Minuten, das Premieren-Publikum dankte mit jubelndem Applaus.«
THEATERPUR


»Was die Idee der Inszenierung so besonders macht, ist eine mehrdimensionale Auseinandersetzung mit der Frage nach Identität, Lebensentwurf und Projektion. Sind Jugendliche, die auf der Bühne von ihrem Leben erzählen, authentisch, ist Fiktion von Realität unterscheidbar? Dies mit der Geschichte des Peer Gynt zu amalgamieren führt zu einer wunderbaren Ambivalenz. Das Stück kulminiert in einem großen Moment des Zweifels. Wenn die Fantasie-Welt zusammenbricht, bleibt oft nur Leere. Selbsterkenntnis kann schmerzhaft sein, doch führt sie zu einer Katharsis, einer Läuterung, einer Befreiung. Wie bei Peer Gynt, wie bei den Jugendlichen und ihrem Alter Ego auf der Bühne. Das Konzept geht auf, die jugendlichen Darsteller erweisen sich als wunderbare Schauspieler.«
WESTDEUTSCHE ZEITUNG


»Das alles geschieht mit Charme, mit Verve, auch mit erfrischender Selbstironie. (...) Besonders beeindruckt die Szene um den Tod von Peer Gynts Mutter. Da sieht man die Phantasiewelt des Helden leuchten und blickt in die Abgründe des Menschlich-Allzumenschlichen. Ein Moment ganz großen Theaterzaubers von bezwingender Schönheit. Da sitzt man als Zuschauer mit offenem Mund und bebendem Herzen im Theater. (...) Diese Aufführung verlassend, bohren Selbstzweifel in einem: Erfüllt man selbst die eigenen Ansprüche? Trägt Theater Fragen wie diese ins Publikum, wirkt es erfrischend irritierend über sich hinaus und verirrt sich nicht in wirkungslosen Egotrips. Bravo Bürgerbühne D’haus!«
KULTURBLOG GETIDAN